Das Wappen von Diezenkausen

Vom Rittersitz zum stolzen Dorf



Die Geschichte von Diezenkausen  - zusammengestellt aus Informationen von Hans Gerhard Bilk

 

Von einem Mann Namens Diezo wurde Diezenkausen im neunten oder zehnten Jahrhundert gegründet, so vermuten Historiker. Damals lebten hier Menschen in einzelnen Bauernhöfen.

 

Erstmals urkundlich erwähnt wurde Diezenkausen allerdings erst rund dreihundert Jahre später, im Jahr 1300, als der Ritter ,,Jacob van Deycenhusen" als Zeuge vor Gericht aussagte. In einer Urkunde im Zisterzienserkloster Marienstatt/Westerwald ist dieser Name überliefert.

Diezenkausen gehörte damals bereits zu einem der drei Waldbröler Rittersitze.

 

Wo das Burghaus der Ritter von Diezenkausen, die von 1300 bis 1625 hier lebten, stand, ist bis heute nicht bekannt. Die Ritter hatten zwei Güter, eins in Diezenkausen, das andere im benachbarten Eichen, das bis ins 17. Jahrhundert ebenfalls Diezenkausen hieß. Zum Gut Diezenkausen gehörte außerdem die Wassermühle in Niederhof.

 

Die Ritter waren teils in Diensten des Herzogs von Berg auf Burg Windeck, teils in Diensten der Grafen von Sayn-Wittgenstein auf Schloß ,,Hombergh". Um 1500 werden die Ritter von den Grafen Hatzteld mit Gut Ellingen belehnt und tragen nun den Beinamen ,,genannt Ellingen". Der Stammsitz in Diezenkausen wird verkauft an die Herren ,,von der Lipp, gen. Hoen" (Ritter Huhn), die ihren Sitz bei Dattenfeld an der Sieg hatten.


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Ritter Wilhelm Quadt zu Isengarten erwirbt etwa fünfzig Jahre später das Gut Diezenkausen und die Mühle. Im Jahre 1625 stirbt der letzte Ritter Henrich von Diezenkausen gen. Ellingen kinderlos.

In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts kauft der Richter und Rentmeister des Amtes Windeck, Heinrich Ley, der letzten Nachfahrin der Familie Quadt zu Isengarten ihre Güter ab. Nach dem Tod von Heinrich Ley im Jahr 1700 gehen die Höfe wiederrum in Bauernbesitz über und die Epoche der Diezenkausener Ritter ist endgültig zu Ende. 

 

Zeugen der Vergangenheit sind in Diezenkausen und Eichen in erster Linie die alten Fachwerkhäuser, die leider teilweise hinter Holz, Putz und Fassadenplatten ihr Fachwerk verstecken.

Heute gibt es in Diezenkausen noch zwanzig sehr gepflegte Fachwerkäuser, die zwischen einhundertfünfzig und zweihundertfünfzig Jahre alt sind. Eins ist wahrscheinlich sogar dreihundert Jahre alt. Die beiden schönsten Fachwerkhäuser in Diezenkausen sind die der Familien Jacobs mit Türinschrift (heute Müller/Kirsch) und Althoff mit der uralten Dorflinde hinter dem Haus.

Alte Backhäuser gibt es hier noch fünf, die erhaltenswert sind; außerdem zwei kleine Bauernschmieden, wo früher die Pferde mit Hufeisen beschlagen wurden. (1957 gab es noch elf Arbeitspferde in Diezenkausen, 1973 gibt es noch eins, heute leider keins mehr!) Bis zum Bau der allgemeinen Wasserleitung im Jahre 1953 bezogen acht Familien ihr Wasser noch aus  einem Brunnen. Zwei Häuser pumpten das Wasser ab, sechs Familien schöpften es wie ihre Vorfahren mit Eimern heraus.

 

Alteingesessene Diezenkauser Familien, die bis zum letzten Krieg und teilweise länger hier wohnten, sind: Schalthöfer, Schmidt, Jacobs, Conrad und Heinrich Demmer. Ihre Vorfahren lassen sich bis ins 17. oder 18. Jahrhundert nachweisen!

Die älteste Familiengeschichte in Diezenkausen, dürften die Schalthöfers haben. ,,Heinrich Schalthofer zu Dietzekaußen" wird schon 1618 erwähnt. Auf der Karte von 1830 heißt ein Flurstück ,,Im Schaldhobersgarten". Robert Schalthöfer (1874-1959) war der letzte seines Stammes, der hier wohnte. Der Bauer ,,Aleff Schmitt zu Diezekausen" ist 1703 erwähnt! Karl Schmidt sen. (1871-1945) war der letzte Schmidt. Über Generationen waren die Jacobs Bauern mit eigener Schmiede und eigener Jagd.

Der Stamm Demmer wird hier erstmals 1753 erwähnt! (Heinrich Demmer 1864-1944).

 

Das letzte Jahrhundert mit seinen vielen Errungenschaften, ist auch am alten Diezenkausen nicht spurlos vorübergegangen. 1922 nahm man hier Abschied von den Petroleumlampen. Ab 1953 gabs fließend Wasser, 1957 wurde das  Gemeinschafts-Wasch- und Kühlhaus gebaut. 1957 wurden Straßenlampen installiert, 1959 einzelne Dorfwege asphaltiert (und 11 Jahre später auch mit Straßennamen asgestattet). 1964 wurde das schmucke Dörfchen und die 156 Einwohner dem Hauptort Waldbröl zugeordnet. Einige Jahre war Diezenkausen offiziell namenloser Ortsteil von Waldbröl, inzwischen stehen aber wieder Ortsschilder an den Dorfgrenzen.

 

Diezenkausen, willkommen in der Neuzeit!

 

 

Quellen- und Literaturnachweis:
Urkunde Nr.198 des Klosters Marienstatt.

Hauptstaatsarchiv Düsseldorf.

Urkatasterkarte Diezenkausen.

K. Niederau: Die Quad zu Isengarten, (Zur Geschichte d. Berg. Adels:) Jhrg. 1964/65 S.84 f

G. Corbach: Geschichte von Waldbröl, Köln, 1973.S. 227 f.

Stephan Propach, Kölner Stadtanzeiger vom 9./10. Oktober 1993

Das Diezenkausener Wappen in rot wurde von Egon Schneider zur Verfügung gestellt